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In Pokhara

Veröffentlicht am 08.04.2018, 17:41 Uhr in Pokhara, Nepal

Betreff: Fahrt Jomsom – Pokhara sowie Pokhara selbst


Eine tolle Motorcross-Strecke haben sich die Nepalesen hier hingebaut – wir befahren sie mit dem Bus: Die Busfahrt von Jomsom nach Pokhara steht der von Kathmandu nach Syabru Besi in nichts nach.

Immer wieder müssen wir zudem warten, weil ein Bagger die Straße blockiert. „Beni–Jomsom Road Project“ lesen wir auf DinA4-Zetteln, die in den Windschutzscheiben der Bagger und Kipplaster hängen. Nur scheint niemand mit der Verbesserung der Straßenqualität beschäftigt zu sein – von Asphaltierung ganz zu schweigen. Stattdessen werden nur Mauern gebaut, die offenbar lediglich die Straße vor dem Abrutschen ins Tal schützen sollen.

Die „Bauarbeiter“ – sowohl die, die die Steine von Hand heranschleppen und zu Mauern auftürmen als auch die, die am Steuer von Bagger und LKW sitzen – sind meist in unserem Alter und tragen einfache Alltagsklamotten. Das heißt hier auch Flip-Flops. Es macht den Anschein, als wäre der für den Straßenbau verantwortliche Regierungsbeamte durch die Dörfer gelaufen und hätte laut „Wer hat Lust eine Mauer zu bauen?“ vor sich hergerufen, um die Arbeiter zu rekrutieren.

Unser Bus steht mal wieder, diesmal an einem Polizei-Checkpoint. Aus dem Fenster beobachte ich, wie ein Mann mit einem Stock zwei Wasserbüffel über einen Acker treibt, die einen hölzernen Pflug ziehen. Dicht dahinter seine Frau, die bei jedem Schritt einen Samen auf die Erde fallen lässt. Es folgen die beiden Kinder, Mädchen und Junge, die mit einer Art hölzernem Vorschlaghammer die Erde wieder über die Samen klopfen. Eine Reise in ein Land wie Nepal ist immer auch eine Reise in die Vergangenheit.

In Pokhara steigen wir aus dem Bus. Auf unseren Hosen zeichnet sich der Staub, der während der ganzen Busfahrt durch die geöffneten Busfenster ins Innere geblasen wurde, besonders gut ab. Auch unserer Rucksäcke sind total versifft; offenbar finden Schlammspritzer und Staub auch den Weg ins Gepäckfach.

Vorgestern standen wir noch in einer arktischen Landschaft auf dem Thorong-La-Pass. Gestern sind wir durch eine Steinwüste gewandert. Und heute laufen wir durch das subtropische Pokhara, die drittgrößte Stadt Nepals. Es ist eine herrliche Atmosphäre; nach den kalten Nächten in den Bergen, kann man hier wieder bis spät abends im T-Shirt rumlaufen. Die Restaurant-Preise erreichen wieder Kathmandu-Niveau, was mindestens einer Halbierung im Vergleich zu der Speisekarte gleichkommt, die wir hier mal vom Annapurna-Circuit gepostet haben. Zudem liegt Pokhara direkt an einem See und ist sehr viel ruhiger und weniger staubig, als das hektische Kathmandu. Es ist genau der richtige Ort nach einer zwölftägigen Wanderung.

Nun habe ich hier ja nicht nur bergsteigerisch, sondern auch optisch versucht, dem großen Vorbild Reinhold Messner ein wenig nahe zu kommen. Selbstverständlich hatte ich nie die Ambitionen, ihm bergsteigerisch das Wasser zu reichen. Und auch optisch ziehe ich in Pokhara (vorerst) die Reißleine – und gehe zum Friseur.

Ich zeige dem Friseur ein Bild von mir mit kurzen Haaren, er nickt und legt mit Schere und Kamm los. Auch den Bart bearbeitet er mit der Schere, die Ränder nass mit dem Rasiermesser. In einem fließenden Übergang geht er, ohne dass ich es zunächst merken würde und so verhindern könnte, zu einer Gesichts- und Kopfmassage über, schmiert mir alle möglichen Lotionen ins Gesicht und schrubbt mit Händen, Fingern und einem Handtuch an mir herum. Ich sitze mit geschlossenen Augen da, damit mir die Cremes nicht in die Augen laufen, als Valentin warnt: „Er kommt jetzt mit einem Kissen, ich glaube der macht ewig weiter, wenn du das nicht abbrichst.“ Ich lege mich nicht mit dem Kopf nach vorne auf das Kissen, sondern versuche, dem Treiben ein Ende zu setzen. Nachdem er noch ein paar Mal auf meiner Nase rumgedrückt hat, gelingt es mir endlich. Jetzt erstmal ins Hotel zurück und heute zum zweiten Mal duschen, um die ganze Kosmetik wieder loszuwerden …

Wir entfernen uns ein wenig vom See, um ein günstiges Restaurant zu finden: In einer kleinen Garage stehen zwei Tische à vier Stühle sowie eine kurze Kochzeile und ein Kühlschrank. Wir bestellen zwanzig Wasserbüffel-Momos (das, was in China „Dumplings“ heißt; geht in Richtung Maultaschen mit Dip), eine große Portion Pommes, einen Banana Milk Shake und einen Apple Lassi für insgesamt vier Euro. Kurz darauf sehen wir das Mädchen, das in gutem Englisch unsere Bestellung aufgenommen hat, mit einem Apfel und einer Banane in der Hand aus der Garage auf der gegenüberliegenden Straßenseite kommen, wo Obst und Gemüse verkauft werden. Essen und Trinken kommt recht schnell und schmeckt super; wir können das „New Turkish and Nepali Kitchen Kebab House“ absolut weiterempfehlen!

In der 300 Meter langen Straße, in der unser Hotel liegt, gibt es neben einem guten Dutzend weiteren Hotels, ein paar Restaurants und Tante-Emma-Läden sowie zwei Friseuren auch ein knappes Dutzend Reisebüros, über die alle möglichen Touren und Tickets gebucht werden können. An unserem ersten Tag in Pokhara machen wir Reisebüro-Hopping, um uns Angebote über eine Tour in den Chitwan-Nationalpark einzuholen. Da man dort ohnehin nur mit Guide und nicht individuell unterwegs sein darf, wollen wir von Pokhara aus ausnahmsweise ein All-Inclusive-Package buchen. Wir kehren schließlich zu unserem Favoriten zurück und buchen und zahlen die Tour. Der Typ vom Reisebüro ruft bei der Busfirma an, und reserviert uns Plätze. Dann ruft er nochmal an, weil er vergessen hat, nach der Busnummer zu fragen. Dann ruft er nochmal an, weil er vergessen hat, nach der Abfahrtszeit zu fragen. Er gibt uns eine Quittung und wir weisen darauf hin, dass er vergessen hat, die Busnummer draufzuschreiben. Und dass er vergessen hat, seine Unterschrift darunterzusetzen. Da haben wir ja ein echtes Organisationstalent erwischt! Immerhin ist er absolut sympathisch und geht auch sofort auf die Bitte ein, die mündlich abgemachten Programmpunkte schriftlich festzuhalten („not necessary, but I can do that“), unterschreibt sie von sich aus und versieht sie mit seinem Stempel.

Den zweiten Tag in Pokhara verbringen wir damit, uns ein Ruderboot auszuleihen, um damit auf die gegenüberliegende Seeseite überzusetzen, dort den Hügel hochzusteigen und von der Weltfriedenspagode auf den See und Pokhara herabzuschauen.

Morgen früh geht dann unser Bus in den Chitwan-Nationalpark, wo wir zwei Nächte bleiben werden, um anschließend nach Kathmandu zurückzukehren.



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